BERICHT: DAY 2 - "SEGELN OHNE ENDE..."

Aktualisiert: März 7

Wie ein Stein, tief und fest hab ich geschlafen. Von meiner befürchteten Seekrankheit fehlt jede Spur. S meint, sie hätte nur manchmal ganz leicht ein komisches Gefühl, der Tipp vom Skipper hilft aber beim Umgang damit. Wir kommen nicht mehr dazu uns darüber auszutauschen – Tagesbesprechung. Ich erwarte genau das, was ich auch aus meiner endlosen Meetingerfahrung kenne: Ziel definieren, vielleicht ein zwei Zwischen-ziele und bezogen auf Ressourcen eine Strategie festlegen. Messerscharf gedacht und kombiniert, lege ich mir die Ressourcen zurecht: Wind, Segel, Crew, Navigations-instrumente, Motor, Wetterbericht, Strömungen und sowas. Bis mich eine Frage aus meinen Gedanken reist: „Was hast du gestern richtig gut gemacht beim ersten Segeln?“ „Hä?“ Ich muss zu meiner Frage wohl das passende Gesicht machen haben, weil die Kombination für Gelächter sorgt. Ich kann mir ruhig Zeit lassen mit der Antwort, meint der Skipper – oder ist er heute Trainer/Coach? Ich weiß nicht genau. Er kann wohl in meinem Gesicht lesen, weil er nun genau auf dieses Thema eingeht, und uns die unterschiedlichen Funktionen erklärt. S meinte, sie wäre gestern bereits über einige ihrer Schatten gesprungen. Der Coach erwähnte zwei Situationen, in denen er auch diesen Eindruck hatte. Zwei Volltreffer – nicht nur der Skipper weiß was er tut, sondern auch der Coach. Ich vertraue! Mittlerweile weiß ich, was ich gut gemacht habe – ich habe vertraut! Das finde ich erstaunlich, weil ich das in der Kürze der Zeit von mir so nicht kenne. Der Coach erzählt uns von der Kraft der emotional erlebten Zugehörigkeit und das dies der Schlüssel für Vertrauen ist. Das ist auch das Besondere an dem Ritual: Bitte an Bord kommen zu dürfen & Erlaubnis erteilt. Wir geben uns noch ein wenig Zeit um darüber zu sprechen, weil wir alle damit schon Erfahrungen im Berufsleben gemacht haben. Es ist genug Wind um in See zu stechen, und das machen wir auch. Eigenartig ist, mir kommt vor als wären wir schon eine starke Einheit. „Übernimm´ mal!“ Ich bekomme die Anweisung den Kurs 180 zu halten, ich höre dass dies Süden ist. Ich bin am Ruder. Ich segle! Ich halte alle Kurse zwischen 160 und 215 Grad nur nicht die angesagten eins acht null! „Skiiiiiipper, Hilfe!“ M aus der Hauptstadt eilt mir zu Hilfe und gemeinsam schaffen wir es den Kurs zwischen 170 und 200 Grad zu halten. Der Skipper erklärt uns dann wie wir es schaffen können, und wir schaffen es.

Es ist doch etwas anders als im Auto… Wir segeln und lernen zu steuern und welche Leine wann, wie zu bedienen ist. Wir drehen um und lernen, dass dieses Manöver eine Wende ist. Der Hauptstädter M weiß: „Nach jedem Manöver braucht es einen Manöverschluck.“ Daran hat gestern beim Einkaufen niemand gedacht. Ich melde mich dafür, uns eine Mittagsjause zu basteln. Basteln ist das richtige Wort, weil das Schiff steht schon wieder schräg, und es ist eine kleinere Challenge das Messer zielgerichtet einzusetzen. Mich haut es fast aus den Socken, die ich sowieso nicht anhabe…, als jemand auf die Uhr sieht und entdeckt, dass es schon 16:00 ist. Die Zeit vergeht und wir wollen eigentlich noch nicht anlegen. Wir sind doch schließlich geniale Segler! J Wir bergen kurz vor dem Ufer der Insel Cres die Segel und fahren unter Motor zum Bojenfeld. STRESS, weil wir geradewegs auf das Ufer zufahren – wo soll hier ein Bojenfeld sein? Wie überrascht sind wir, als wir erkennen, wie zerklüftet das Ufer ist, das sieht man erst ganz aus der Nähe. Wir finden den „Eingang“ und steuern von Norden her in die Bucht. Wir sind da – ein Hoch der Navigation. Bis zum Sonnenuntergang haben wir noch drei weitere geniale Erlebnisse: