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LEADING POTENTIALS - SIEBEN FAKTOREN DIE DIR DEINE FÜHRUNG ERLEICHTERN

Es gibt vielerlei Grundsätze, Haltungen und noch mehr tools, die Führung / Leadership definieren, einordnen und in Umsetzung bringen. In unzähligen Möglichkeiten während eines Segeltörns wird deutlich wann und wie Führung führt.

Auch das Gegenteil wird sehr schnell erlebbar: wenn Führung eben nicht führt, oder nicht in dem Maße wie es für die Crew wichtig wäre - Stichwort Hafenkino. Das Hafenkino fängt allerdings bereits wesentlich früher an. Ein versemmeltes Anlegemanöver ist nur der sichtbare, letztendlicheTeil von unpassender Führung, es ist lediglich ein Symptom.

Manche Grundsätze, Prinzipien bleiben immer gleich, Manches ändert sich von Törn zu Törn und bei manchen Aspekten wird es auch notwendig sein, während des Törns Veränderungen bzw. Anpassungen vor zu nehmen. Im Folgenden widme ich mich einem Teil von dem was immer gleich bleibt. Das LEAD & SAiL Programm baut auf prinzipiellen Erfolgsfaktoren auf, das bedeutet auch in allen anderen Lebensbereichen haben diese Betrachtungen ihre Gültigkeit.


1) ZUGEHÖRIGKEIT - MÄNNER AUS FLAKE

Prinzipien haben die Eigenheit, dass sie immer gelten und stets wirken. Wenn es Ausnahmen gibt, dann sind es Regeln. Die Zugehörigkeit ist von allen Prinzipien das was von uns am intensivsten erlebt wird. Wir erkennen es schon seit wir sind - wir fühlen es. Auch wenn wir als Säuglinge keine intellektuelle Idee von der Bedeutung haben können, wir spüren genau wie es wirkt und das vergessen wir nicht, sondern erleben es immer wieder aufs Neue.

Erfolgreiche SKiPA können dieses Gefühl von Zugehörigkeit mit Ihrer Crew umsetzen.

"Griaß eich Männer aus Flake!" so gehört von einem routinierten SKiPA, der seine Crew humorvoll auf seinem Boot willkommen hieß. Doch da steckt mehr dahinter, der SKiPA hat bereits bei der ersten Vorstellungsrunde festgelegt wer hier dazu gehört und wer nicht. Es gibt nur ein Schiff und eine Crew aus Flake, und Andere gehören eben nicht dazu.

Erfolgreiche SKiPA haben ein Ritual, das die Zugehörigkeit zu einer Crew als aller erstes, manchmal sogar schon vor betreten des Schiffes, herstellt. Hie und da hört man auch noch die Sätze: "Bitte um die Erlaubnis an Bord kommen zu dürfen." "Erlaubnis erteilt." Anderes Ritual selbes Prinzip - Zugehörigkeit.

Wird dieses Ritual nicht zu Beginn des Törns durchgeführt,

kann der positive Effekt nicht mehr nachgeholt werden. Die Symptome die dadurch auftreten können vielfältig sein,

sich durch die Woche durchziehen und steigern.

2) ROLLENKLÄRUNG - STRIPPPENZIEHER

"Aha ich bin hier also der Strippenzieher...?!" Diese Formulierung eines Crewmembers löste Gelächter aus, als dieser für den Segeltrimm eingesetzt wurde. "Ich hab hier die Macht, wenn ich nicht ordentlich arbeite kommen wir nicht, oder nur langsam voran!" Dem konnte niemand widersprechen, neben anderer Rollen ist der Segeltrimm für das Vorankommen enorm wichtig. Diese Formulierung können wir nützen, in dem wir die Rolle/Funktion an Bord gleich nach deren Wirkungen definieren. Der Segeltrimm ist für die korrekte Stellung der Segel passend zum Kurs verantwortlich - yes doch die Wirkung die diese Person damit erzeugt ist noch wichtiger.

Jemand hat für sich dann auch definiert: "Ich bin der Übersetzer. Ich übersetze die Kraft des Windes in Geschwindigkeit des Bootes." Das klingt für einen Außenstehenden evtl. romantisch, machte aber für diese Person und die gesamte Crew sehr viel Sinn. Das entfaltet eine ganz andere Motivation als lediglich die Tätigkeit zu beschreiben.

Als SKiPA versuche ich in den Definitionen auch immer zu definieren, wie der Rest der Crew von der Arbeit des Einzelnen profitiert: In dem Du immer für die optimale Geschwindigkeit sorgst:

- kann der Navigator sicher sein, dass seine Berechnungen umgesetzt werden können.

- können wir das definierte Tagesziel gut erreichen.

- können wir die einzelnen Manöver ausgezeichnet üben.

- ...

Menschen müssen wissen wer sie sind. Wir ziehen Kraft und Energie aus unserer Identität.

Definiere vorab was die Wirkung der Rolle sein soll!

3) BORDKULTUR - WERT(E)VOLLE ZEIT

"Du musst eine Sau sein zu Deiner Crew, wenn Du ordentlich anlegen willst." So gehört von einem Skippertrainer, der auf einem "helmsman" wohl eindringlich wirken wollte. Es waren 25kn von Backbord und entsprechend herausfordernd in die Box einzufädeln, die Anweisungen des zukünftigen Prüfungskandidaten waren einem guten Ergebnis wohl nicht zuträglich gewesen. Die Umstände machen manchmal Maßnahmen nötig die in "normalen" Verhältnissen nicht richtig erscheinen. Nicht nur die äußeren Verhältnisse, sondern auch Crews bzw. einzelne Mitglieder können dies erfordern.

Was ist im Umgang miteinander wichtig? Wie sollen Crewmembers und SKiPA das miteinander gestalten? Die oben genannte "Sau" kann in Ausnahmen wichtig sein, aber eben nur in Ausnahmen. Die Führung/SKiPA sollte von Beginn an klar stellen, was die Gos und No-Gos auf diesem Schiff, in dieser Crew sind. Ich war selbst schon als Crewmitglied den rollenden Augen und genervten Kommentaren anderer Menschen am Schiff ausgesetzt, wenn etwas nicht sofort funktioniert hat. EIN ABSOLUTES NO GO!

Wer sich in Sachen Fehler anderer, daneben benimmt, respektlos und abwertend reagiert, darf sich überlegen ob er/sie nicht in der Kombüse Dienst leisten möchte. Dazu kommt es Gott sein Dank aber nie. Wenn es zu so einer Reaktion kommt, nehme ich das als willkommene Gelegenheit um darüber mit der Crew zu sprechen. Daraus ergeben sich Möglichkeiten der persönlichen Weiterentwicklung für alle Beteiligten. Ich habe noch keine Person erlebt, die dieses Verhalten mit voller Absicht gemacht hätte, oder mit dem Ziel jemanden zu schädigen. Bei den meisten kam heraus, dass sie mit sich selbst sehr unzufrieden waren, und mit der eigenen Performance haderten. Fehlerkultur ist auf einem Schiff enorm wichtig. "Was ist überhaupt ein Fehler, und wie gehen wir mit Fehlern um?!" - das muss der SKiPA definieren. Da liegt enorm viel Potential in der Crewperformance geborgen, und ist für die Motivation bedeutend.

Menschen wollen gerecht behandelt werden. Mit Fehlern kann jedes Crewmitglied Umgehen, solange nicht das Gefühl vermittelt wird, dafür verurteilt zu werden.

4) ÜBERZEUGT SEIN - RUHE AUSSTRAHLEN

Nichts sorgt für mehr Verunsicherung innerhalb einer Crew, als ein verunsichert wirkender Skipper. Manchmal haben Skipper die Idee alles besser zu können als die Crew, ja sogar alles besser machen zu müssen. Manchmal ist das sogar so - SKiPA ist in allen Belangen erfahrener oder/und besser ausgebildet. In den meisten Fällen jedoch nicht.

Persönlich bin ich immer happy darüber, wenn in einer Crew ExpertInnen in einem Teilbereich mit dabei sind. Es bringt ein ausgezeichnetes Gefühl von Sicherheit, wenn zB. ein Mechaniker mit an Bord ist, der sich mit den Gegebenheiten eines Dieselmotors bestens auskennt. Wenn alles glatt läuft eh kein Thema, aber zu wissen, dass im Falle des Falles ein Spezialist sofort verfügbar ist, kann ein enormes Gefühl der Ruhe auslösen. Diese wiederum zeigt Wirkung auf die Crew. Die Crew hat Vertrauen und wird leichter eine gute Performance liefern können. So nur ein Beispiel wodurch SK!PA ein Gefühl der Ruhe in sich findet, und diese auch ausstrahlen kann. Zu wissen was man kann und zu wissen, dass man jederzeit auf Ressourcen zugreifen kann, ist eine der wichtigsten Überzeugungen die jeder SKiPA braucht. Speziell dann, wenn es gilt die eigenen Grenzen zu erweitern: Raus zu fahren wenn man bisher lieber in der Marina blieb, einen Törn in unbekanntes Gewässer zu starten, das man bisher gemieden hat, eine Schiffsgröße zu bewegen, die man noch nie gewählt hat,...

Überzeugungen müssen authentisch sein. Wovon bist Du in Deinem Innersten überzeugt?

Was zeichnet Dich aus?

5) CREWPERFORMANCE - NULL BOCK AUF HAFENKINO

Ein SK!PA ist kein Trainer, sollte aber dennoch so schnell wie möglich mit der Crew Verhalten einüben, um die Umsetzung von Aufgaben und die Erreichung von Zielen zu ermöglichen. Dabei ist im Falle der Fälle zu unterscheiden, wie viele Crewmitglieder was tun möchten. Bei den Männern aus Flake wollten alle, alles tun. Sie waren hochmotiviert und vollends begeistert, so musste der SKiPA niemanden motivieren. Er musste und konnte jedoch auswählen, wer auf welcher Position die besten Stärken einsetzen konnte.

Die beste Motivation hilft nichts, wenn jemand am Bug steht, und beim Anlegen zur Boje unter Segel, nicht einschätzen kann ob die aktuelle Distanz nun 2 oder 5 Meter beträgt. Fehl am Platz - als Strippenzieher war er jedoch ausgezeichnet geeignet - perfekte Rolle. Hafenkino hat drei Hauptursachen: - unzureichende Vorbereitung, die Manöver werden nicht passend durch gesprochen,

- chaotische Kommunikation miteinander, meist fehlt Übung und Disziplin dazu,

- Crewmembers sind nicht nach ihren Stärken an den Positionen eingeteilt.

Erfolgreiche und routinierte SKiPA erkennen recht bald, wen man wo einsetzen kann. Wenn nicht, auch kein Problem - ausprobieren, adaptieren und noch mal ausprobieren! Meist sieht man schon bei der Übung des Leinenwurfs am Steg wer mit Distanzen gut umgehen kann...

Hafenkino ... das sind die Anderen!

Probiere aus, wer wo am besten einsetzbar ist. Wer kann die Anweisungen am besten umsetzen? Wer hat Überblick, und wer hat den Blick fürs Detail?

6) ROLE MODEL - ZEIG WAS GEHT!

"Zwo, fünef, null heißt das korrekt - Ösi!"

Am Ruder des Dreimasters "Alexander von Humboldt" stehend, hatte ich meinen Steuermann mit meiner Ansage: "Zweihundatfuchzig" nicht geliefert was er wollte und brauchte. Da wir im englischen Kanal waren, im August, Wetter und Wind waren angenehm und leicht, war alles es sehr easy going. "Wenn das ´mal hackt dann wirst Du mit Deiner Ansage nur Verwirrung stiften: 2 kann bei Windstärke 7 auch als drei gehört werden, fuchzig kennt man nördlich von München nicht..." Vor den Scilley Islands wusste ich dann wovon er sprach, als wir ordentlich Lage hatten und über 40 kn. Was auf einer 44ft Yacht schon eine Herausforderung ist, wirkt an Bord eines Dreimasters noch ´mal ganz anders.


Kommunikation ist das Instrument, das am besten dazu geeignet ist Potential zu vernichten. Die Chancen sich missverständlich auszudrücken sind enorm.

"Wieso soll ich unfreundlich sein?" Eine Führungskraft meinte beim Leadershipsailing, dass es wohl nicht sein müsste ohne Bitte und Danke zu sprechen während der Wende. Einen Tag später als wir die Manöver bei über 20 kn machten, war klar wieso wir so sprechen, und wie hilfreich diese Kommunikation ist. Und ich hatte ein deja vu vom Dreimaster :-) Crewmitglieder lernen nicht nur durch angeeignetes Wissen, sondern sehr viel mehr über Nachahmung. Sie beobachten und hören genau zu. Bevor sie dann ihre eigene Stilrichtung gestalten, imitieren sie (meist unbewusst) die, die es ihnen beigebracht haben. Extrem wichtig ist deswegen, im Umgang mit den jeweiligen Situation und vor allem mit der Crew, sachlich korrekt und menschlich auf Augenhöhe zu kommunizieren.

Menschen brauchen Vorbilder. Sie machen vor, was richtig und wichtig ist. Dein Verhalten ist 24/7 erlebbar, und hat Wirkung.


SK!PA - SEI EIN LEADER! DENKE GROSS UND HANDLE AUF AUGENHÖHE. DIE CREW UND DU SELBST, WERDEN ES DIR DANKEN!


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