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Me, and my first week!

Eigentlich wollt ich erst gar nicht auf ein Schiff, jetzt hab ich aber nur zwei Fragen: "Wann, das nächste Mal wieder?", und: "Wie nutze ich die Zeit bis dahin, für die Weiterbildung im systemischen Denken und Handeln?"


"Wir fahren in die entgegen gesetzte Richtung und L. übernimmt das Ruder - he´s @ the helm!" Schon irgendwie eine coole Geschichte, weil L. war noch nie auf einem Schiff, er ist sogar das erste Mal in Kroatien und war erst einmal am Meer, in bella italia.

Der SK!PA ist ja immer in "Eingreifweite", und das eine oder andere Mal, war es gestern auch notwendig zu korrigieren. Alles ganz easy und gechillt, das machte schon einige Learnings möglich. Vor Jahren hatte ich mal gehört von der Methode Menschen passend anzusprechen, ob sie nun visuell, auditiv oder auf der Gefühlsebene am besten lernen, und wohl gleich mal wieder vergessen, dabei ist es so simple wie effizient. Man müsste es nur üben. Unsere Einschätzungen und kurzen Tests so zwischendurch waren erhellend. Überhaupt hat sich meine Sorge, dass es eine sehr komplizierte Angelegenheit werden würde, wegen der Komplexität des Segelns, voll in Luft aufgelöst. Einfache Sprache und direkte Kommunikation... wenn unsere Projekte nur auch so laufen würden, aber das ist eine andere Geschichte - vorerst.

Also ab durch die Mitte und das Schiff umdrehen, L. ist voll mutig und macht einfach!

Übrigens ich bin S. und meine Kollegen sind zu 90% Männer.

DAS DING

"Na das ging wohl ordentlich daneben, das war ja gar nix!" Der Blick in die Runde zeigt mir, dass ich mit dieser Meinung nicht alleine bin. 

Das Ding was wir gefahren sind heißt wohl Wende, das hab ich mir gemerkt, und das was ich Ding nenne, heißt wohl Manöver - das weiß ich von meinem Kollegen aus der Firma, der erzählte was von einem Manöverschluck... seltsames Volk diese Segler. Irgendwie gehör ich ja nun auch dazu, zumindest in dieser Woche.



Eine Frage reist mich aus meinen grundlegend negativen Gedanken, weil ich kenn´ das Gefühl ja genau, dass ich nach einem Fehler habe, und ich brauche dann ewig um wieder einen produktiven Tag zu haben. Sprechen darf ich in der Firma darüber sowieso nicht. Das wäre ja eine Schwäche. Die Frage kam wie aus heiterem Himmel (der war ja auch wolkenlos): 

"Was habt ihr gut gemacht?" Und weil das wohl noch nicht genug war: 

"Welche Stärken hast du ein- und umgesetzt?"

Er nun wieder... seit gestern, als wir an Bord kamen, läuft das mit dem SK!PA so.

Das waren bis jetzt so einige meiner Gedanken vor ca. 24h, meinen Crewmates ging es in etwa gleich. Heute gelang es mir bereits 4 Stärken zu erkennen - und das selbstständig - das ist der eigentliche Hammer. Als wir gefragt wurden, kamen diese sofort aus mir heraus gesprudelt.

Und dann noch eine dieser systemischen Fragen:

"Wie haben alle an Bord von deinem Verhalten profitiert?" - ok bei den ersten Fragen ging´s wohl um den Umgang mit mir, und meiner andauernden Idee perfekt sein zu müssen - ich meine so als ♀ Frau, muss man ja... ‼ 


"Geht´s dem Ganzen gut, geht es dem Einzelnen gut." 

Was kann das denn jetzt bedeuten? Da brauch ich input, der Wind hat eh nachgelassen, nach dem Lunch werd ich mal fragen. Mein crewmate aus Frankfurt war schneller, dem geht´s wohl gleich.

Bin gespannt, das klingt einfach schon mal interessant.

Mit den Anweisungen des SK!PAs ankern wir in einer phantastischen, türkisfarbenen Bucht, er zückt "The holy board" und die Stifte zeichnen ein paar Grafiken. Hmmm - das ergibt Sinn, die Kreise drücken Vieles aus, was es zu entdecken gilt - im Business und überhaupt. Viele Antworten, und ich hab das Gefühl, dass ich noch gar nicht alle Fragen gestellt habe - geilomat und es ist erst Montag, da ergeben sich sicher noch viele Möglichkeiten bis Freitag.


Erst war ich eher skeptisch, weil ich ja noch nie gesegelt bin, jetzt bin ich froh mich für das Leadership Sailing entschieden zu haben. Ich bin nicht die einzige, die noch nie auf einer Jacht gewesen ist. Wir haben bereits zu Beginn Funktionen übernommen, und das Gefühl einen Beitrag leisten zu können, ist schon cool. Das systemische Denken und Handeln bekommt hier mit dem Open System Model eine ganz neue Dimension, als ich es gewohnt bin.


Ich freu mich auf das Einzelgespräch morgen.

Meinem Chef bin ich dankbar, er hat mich bestärkt hier zu sein.

TALK ABOUT - mehr als 1000 Worte

Ab dem Mast in Richtung Bug, ist die Coachingzone eingerichtet (bei entsprechenden Verhältnissen), und wird nicht betreten. Da hält sich jeder dran, da jeder mal da vorne gerne mit dem Coach sitzt, respektiert das auch jeder.

Der "Talk about" ist intensiv, und ich fühl mich abgeholt, verstanden und mein Horizont erweitert sich. Kunststück, bei dem Ausblick... :-) Wieder diese genialen Grafiken, knapp, präzise und so vielsagend: "Eine Grafik sagt mehr als tausend Worte!" OSM - da will ich mich reinknien, das Model hat wohl mehr zu bieten, als es zu Beginn scheint. Ich dachte ja vorerst auch, dass ich eine klare Zielformulierung hätte, nach genau drei Fragen sieht mein Thema schon ganz anders aus. Überhaupt rede ich, und rede, und rede. Darauf angesprochen grinst der Coach (der ansonsten ja der SK!PA ist) genüsslich. "Genau so muss es sein, ein Verhältnis von 90/10 zuhören und reden."

So macht das mein Coach zu Hause auch - I like! Was mir hier durch die Zeichnungen klar wurde, wir haben in unserer unit ein echtes Führungsproblem, denn ich konnte auf die Frage: "Wer führt?" weder schnell, noch schlüssig eine Antwort liefern. Kurz gemeinsam mal überprüft ob ich eventuell das Problem bin, und eigentlich bin ich es nicht. Ich meine ich hab sicher auch meine Anteile daran, dass es so ist wie es ist...

Die Grafiken, die aus den Strukturen entstanden, sprechen jedoch eine ganz andere Sprache, und die Zusammenhänge werden mir jetzt auch klar! Nicht einfach, aber spannend und erhellend. Auf jeden Fall ein Schritt in... "Essen ist fertig!" So kann man einen Talk about beenden, und eine köstliche Jause genießen. Der Tiroler Kollege hat sich erfolgreich bemüht - hmmm und über den Kaiserschmarr´n den wir in der Bucht von OLIB genüsslich geradezu vernichtet haben, werd ich noch lange nachsinnen!


Vertrauen rund um ILLOVIK

Wir haben´s getan, ich hätte auch nein sagen können. Der SK!PA meinte: "Teamberatung - es geht um die nächsten 24h - was ist eure Entscheidung? Was tun wir?" Oha, dacht ich noch, wir sollen entscheiden? Können wir das denn?

Was folgte war eine geniale Lernerfahrung zum Thema Führen, Fragekultur, Expertenwissen und Verantwortung. Irgendwer meinte im Laufe der Beratung: "Kann man eigentlich auch nachts segeln?"

"SIHALICH!" - ein Wort aus dem Kärntner Dialekt, das uns der SK!PA gleich mal beigebracht hat, und auch das der Gin Tonic auf seinen Schiffen GTI genannt wird (lustige Geschichte dahinter...)


Wir haben es also getan, wir haben uns dazu entschieden eine Nachtfahrt zu machen. Wir waren voller Mut und Tatendrang, und erst als wir mitten in den, vom SK!PA angeleiteten Vorbereitungen waren, wurde uns zwischendurch schon mal etwas mulmig zumute. Sicherheitsleinen vom Bug zum Heck, jeder nur mit Lifebelt im Cockpit, Stirnlampen, Beleuchtungs- und Verhaltensregeln, usw. "Wie oft hat das Teil nun geblinkt? Was steht da in der Liste oder nehm´ gleich die Karte...! Los sag, halt mal die Karte, ist das überhaupt die Richtige?"

Ich hatte mich für die zweite Stunde freiwillig gemeldet, um "in charge" zu sein. Das war allerdings um 1600, als es noch hell gewesen ist. Die Theorie klang recht einfach, und das Üben mit dem Kompass hat Spaß gemacht.

Ich hatte zwischendurch echt etwas Panik, obwohl der SK!PA zu jeder Sekunde anwesend und achtsam war. Erst meinte ich, dass meine Entscheidungen mich stressten, je länger es dauerte desto genauer merkte ich, dass es die unzureichende Vorbereitung gewesen ist. Und eigentlich hab ich mich ziemlich über mich geärgert. Anstatt in der Vorbereitungsphase so lang zu fragen bis ich genau Bescheid wusste, was, wann, wie zu tun ist, was nicht funktioniert, und was man tun sollte, dachte ich: (mal wie so oft) "... ja ne is klar, is logisch, und - das machen wir dann!"

Hätt ich mal auf den Rat der Fachkraft gehört, wäre es mir besser ergangen - Korrektur wäre es uns allen besser gegangen. Den anderen ging´s ja bei meiner "Schicht" auch nicht gut, obwohl die sehr viel besser vorbereitet waren. Ich war für Tipps und Anmerkungen ja nicht mal mehr zugänglich. Das war dann das eigentliche big learning: "Wir haben die Führung eingeteilt, und dennoch hast du die ganze Arbeit an dich gerissen, wolltest alles managen. Die anderen an Bord hätten sehr viel Zeit gehabt, um die Aufgaben zu erledigen, unter deiner Führung."

Bääm das hat gesessen, die Beispiele die wir danach noch gemeinsam gefunden haben, waren zum Einen sehr lehrreich, und zum Anderen schmerzhaft, weil ich erkannt habe wie ich zu Hause arbeite. Und mich wundere, dass ich immer so fertig bin... als einzige.

Wir waren noch weit in die Nacht hinein mit uns beschäftigt, und genossen die deepdives.

Abenteurer wir sind - wir haben´s getan und wir können so einiges erzählen.

Welch eine Erfahrung!


Gemanaget werden Dinge und Situationen,

geführt werden Menschen!


YUGO - geiles rock´n rolling

"Rab ACI Marina & Captain´s Dinner im Ort", ist als Ziel für unseren letzten Abend beschlossen worden. Die Beratungen laufen mittlerweile ausgezeichnet und schwungvoll. Wir haben gelernt, woher wir uns die Informationen, die wir für die Entscheidung benötigen holen können, ich bin mit dieser Windy app schon ganz gut am Weg. Wir sind echt erstaunt. Wir sind weit davon entfernt, uns als Segler zu bezeichnen, jedoch haben wir in kürzester Zeit, stressfrei und mit viel Spass einiges gelernt - fast schon nebenbei. Die App kann ich ja auch zu Hause nutzen, wenn ich auf den Bergen unterwegs bin - coole Sache.

"Der Wind wird wieder stärker sein, und wir werden ordentlich Wellen haben - YUGO action!

BTW - Yugo heißt Süden, und die Jugoslawen waren also die Südslawen - Bildung gibt´s auch noch on the way :-)

Was das bedeutet haben wir erst allmählich erfahren erstmal hart am Wind, das kannten wir schon - no pro. Dann auf einen neuen Kurs Richtung Rab und das Schiff machte Bewegungen, die wir so noch nicht kannten. Das war ja richtig Arbeit am Ruder, und ich war echt stolz dass ich nicht Seekrank wurde. Das ist überhaupt eine spannende Geschichte mit der Seekrankheit und dem Zusammenhang mit der Stressreaktionen im Körper. Aus dem schlüssigen Kurzvortrag vor dem Ablegen, ging hervor, dass es wichtig wäre das Gefühl von Kontrolle wieder her zu stellen. Ich musste da GSD nicht durch aber zwei Kollegen haben sich erfolgreich "zur Wehr" gesetzt. Ich weiß allerdings genau, bei welcher Gelegenheit ich das Gelernte einsetzen werde können. Es geht in meinem Job immer kurz auf knapp, was ja gar nicht das Problem wäre, wenn da nicht der Chef der anderen Abteilung wäre, der mit seinem Verhalten, mich regelmäßig zum gefühlten Kontrollverlust bringt...


Anyway - Wind und Wellen haben dann stark nachgelassen und Rab war wunderschön. Die kleine Kneipe mit der Wohnzimmeratmosphäre war gerade richtig für uns, um uns so richtig wohl zu fühlen. Schon erstaunlich wie man innerhalb von ein paar Tagen so zusammen wachsen kann. Die Natur und die vielfältigen Erlebnisse verstärken wohl alles noch irgendwie. Zwischen den einen oder anderen Gin Tonic haben wir uns dann noch ganz ordentlichen deepdives gewidmet, und dann wieder lachen ohne Ende. Ich weiß bis heute nicht wie das ging, in der einen Sekunde ein Bedeutungsschwangerer Satz, und im nächsten Atemzug haben wir uns schlapp gelacht - strange! Es tat uns gut! Wir haben es verdient!


Die ganze Woche, sie tat uns allen gut!

Diese Vielzahl an Erfahrungen - diese Woche hab ich mir einfach verdient! Diese Woche, ich kann wirklich was erzählen, und ich kann so einiges daraus mitnehmen und zu Hause umsetzen! Was so richtig krass ist, diese Prinzipien gelten ja in jedem System, sind überall anwendbar - also auch Privat. Ein echter Mehrwert, das war mir vorab nicht bewusst. Die Buchempfehlungen hab ich bereits vom Schiff aus bestellt. Die zertifizierten Ausbildungen im Open System Modell schau ich mir in Ruhe an. Es wird weiter gehen - that´s clear!


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